Krabat

By Christian

Komme frisch aus der Lehrervorstellung von Krabat und bin positiv überrascht, auch wenn ich einigen Kritiken, die ich im Netz gelesen habe zumindest teilweise zustimmen kann. Dazu später mehr.

Aber zuerst zum für mich allergrößten Vorteil: Der Film hat meine eigenen Bilder, die ich durch mehrfaches Lesen dieses Buches (zum ersten Mal mit 12, dann mit 20 im Zivildienst den Kindern vorgelesen und später nochmal selbst gelesen) im Kopf hatte nicht zerstört. Sondern diese Bilder sind mir immer noch präsenter, als die im Kino gezeigten. Ich finde es immer wieder schade, wenn durch das Ansehen einer Verfilmung die eigenen Bilder zerstört werden.

Schon vor einiger Zeit habe ich von der anstehenden bzw. laufenden Filmarbeit zu Krabat gelesen. Vor allem durch eine starke Internetpräsenz u.a. mit eigenem Blog. Mein erster Gedanke war – bloß nicht anschauen und lieber an der eigenen Phantasie zum Buch freuen. Aber dann las ich, dass Ottfried Preußler selbst mir der Verfilmung des Buches zufrieden war. Also dachte ich, dass sich das Wagnis in Grenzen hält.

Schauspielerisch finde ich den Film gut besetzt und finde vor allem gut, dass Krabat von einem noch relativ unbekannten Gesicht (David Kross – mir bekannt aus Knallhart) besetzt war.

Die Filmmusik kam mir leider zu sehr gewöhnlich und hollywoodesk daher, da hätte sich meiner Meinung nach etwas passenderes zum Film und den Schauplätzen finden lassen.

Insgesamt finde ich die Stimmung des Films sehr gut getroffen. Gut gefällt mir, dass es insgesamt nicht zu düster geraten ist, dass ist gerade wenn man, wie wir mit Kindern, bzw. Jugendlichen (15 und 17) im Kino ist von Vorteil, da es sich ja doch um starken Tobak handelt.

Den Anmerkungen von Miriam kann ich allerdings in einigen Punkten zustimmen. Zum einen ist dies die etwas misslungene Zeichnung des Meisters, der hier zu gutmütig rüberkommt, wie auch die Zeit anmerkt. Aber auch das lässt sich vielleicht damit rechtfertigen, dass der Film dadurch für Kinder leichter zu ertragen ist. Enttäuschter war ich darüber, dass einige Teile der Vorlage einfach zu kurz kamen. Für zwei Beispiele zitiere ich einfach Miriam:

Warum wird nur in der Mühle im Koselbruch die schwarze Magie gelebt anstelle sie für Betrügereien und den eigenen Vorteil zu missbrauchen? Der manipulative Aspekt geht gänzlich flöten. Wozu erlernen die Gesellen die schwarze Magie überhaupt, wenn sie damit nur ein paar Soldaten in Schwarzkolm verprügeln oder einen Krug reparieren dürfen? Verpasste Chance. Schade.

Die Stelle auf die Miriam hier anspielt fehlte mir tatsächlich eindeutig und ich wartete die ganze Zeit drauf. Ein weiteres Beispiel:

Ein paar andere Effekte, wie zum Beispiel die Schwarzfärbung von Tondas Klappmesser, waren mehr Augenwischerei, da zu keiner Zeit geklärt wurde, was es damit auf sich hat.

Ich denke auch, dass hier einiges an Potential der Vorlage verschenkt worden ist.

Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass einiges der Phantasie des Zuschauers überlassen worden wäre und nicht in aufwändigen Effekten realisiert worden wäre. So zum Beispiel die Stelle an der Tonda und Krabat am Feuer ihren Körper verlassen und als Lichtgestalten umherwandern.

Insgesamt kann ich allerdings der sehr negativen Kritik, die teilweise in Presse und Internet zu finden ist nicht zustimmen. Der Film gibt die Geschichte in starken Bildern wieder. Teilweise ist sicherlich sehr auf die aktuellen Sehgewohnheiten Rücksicht genommen worden. So sind einige Schnitte extrem schnell, was die Handlung und Erzählweise des Filmes meines Erachtens nicht nötig haben. Wenn aber dadurch einige Jugendliche zum Lesen der Vorlage animiert werden soll mir das recht sein. Auch wenn es sicher sinnvoll ist, wie in den meisten Fällen, das Buch zuerst gesehen zu haben.

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4 Antworten zu „Krabat“

  1. Nils sagt:

    Ha, bei der Vorstellung war ich auch. :-) Bangig voll! Jaja, es gab ‘was für umme… ;-)

    Ich habe das Buch vor Urzeiten gelesen – und mich damals arg gegruselt. Viele eigene Bilder waren nicht vorhanden. Ich war aber auch angenehm von dem Film überrascht. Obwohl er mir nicht recht schmecken wollte. Das mag aber daran liegen, weil „der deutsche Film“ bei mir stark negativ stigmatisiert ist. Da kommt – für meinen Geschmack – kaum etwas gutes bei rüber.

    Dennoch: die Stimmung war gut, weil düster. Die Schauspieler gut ausgewählt, obwohl ich dem Kross nicht abnahm, dass er zu Beginn 14 Jahre alt sein sollte. Und auch die restlichen Gesellen waren alle viel zu alt. Das ist vielleicht doch eine Erinnerung, die sie mir zerstört haben. Ich hatte das Bild von weitaus jüngeren Gesellen im Kopf. Allerdings: Herr Brühl, den ich sonst nicht mag, gefiel in seiner Rolle als Tonda. Der Meister hätte wahrlich böser sein können/ müssen.

    Im Gegensatz zu Dir fand ich, dass gar nicht so viel Tricktechnik eingesetzt wurde. Hätte sie auch mehr einsetzen können, was ich gar nicht gewollt hätte. Aber sehr zu meinem Wohlwollen blieben die Tricks doch recht sparsam. Die Musik während des Films fand ich zurückhaltend. Nicht auffällig. Allerdings beim Verlassen des Kinos fielen mir die Ohren ab. Was für eine, überhaupt nicht zu dem Film passende Musik war das denn!? Unmöglich.

    Die Kampfszene im Dorf, als die Soldaten ankamen, die war meiner Meinung nach völlig verhunzt! Wieso an der Stelle auf eine völlig andere Kameraführung, Schnittfolge und Framezahl (?) zurückgegriffen wurde, bleibt mir ein Rätsel. Die Art und Weise, wie sie den Kampf gezeigt haben, passt kein Stück in den Film hinein! Was sollte das sein? Martial Art im Schwarzkolm?

    Die Kritik mit dem „Wozu haben die Gesellen überhaupt die schwarze Magie gelernt?“ ist übrigens berechtigt … Wurde nicht klar.

  2. espressodoppio sagt:

    Kann Deinen Anmerkungen nur zustimmen. Bei der Musik im Abspann habe ich tatsächlich gedacht, dass der Kinovorführer das Kino schnell räumen wollte und deshalb irgendwelche Musik einspielte.

    Richtig gerade die Kampfszene meinte ich. Ich wurde viel zu schnell geschnitten und sie fiel richtig aus dem Film heraus.

    Zum Kross: Die 14 hab ich ihm schon eher abgenommen, als nachher an angeklebten Ludenbart ;-)

  3. Miriam sagt:

    Oh, danke für’s Verlinken.
    Aber zuerst zum für mich allergrößten Vorteil: Der Film hat meine eigenen Bilder, die ich durch mehrfaches Lesen dieses Buches [...] im Kopf hatte nicht zerstört. Sondern diese Bilder sind mir immer noch präsenter, als die im Kino gezeigten. Ich finde es immer wieder schade, wenn durch das Ansehen einer Verfilmung die eigenen Bilder zerstört werden.
    Da stimme ich zu. Nach dem Konsum so mancher Verfilmungen von Kinder- und Jugendliteratur dominieren leider die Filmfiguren und -bilder. Mag auch am Merchandising liegen. Im Fall Krabat können Kopfkino und Filmkino vielleicht doch ganz friedlich koexistieren.

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